Musterplan barrierefreie Querungsstellen im Straßenraum

Überblick von Querungsanlagen


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Allgemeines über Querungsanlagen

Querungsanlagen für Fußgänger werden angelegt bei plangleichen Knotenpunkten wie Kreuzungen, Einmündungen oder Kreisverkehren und auch im Verlauf einer Straße. Die Entscheidung über die Anordnung von Querungsanlagen richtet sich nach den Kriterien der "Richtlinien für die Anlagen von Stadtstraßen" (RASt 06) mit den Festlegungen zum Überquerungsbedarf für die Fußgänger.

Die Grundelemente barrierefreien Querungsstellen sind in der

DIN 18040-03 (2014-12) Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 3:
  Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum
und in der  
DIN 32984 (2011-10) Bodenindikatoren im öffentlichen Raum
  enthalten.

RANDEINFASSUNGEN
Die Bordsteine am Fahrbahnrand können als

  • gemeinsame Querungsstelle mit 3 cm Bordhöhe
  • oder als
  • getrennte Querungsstelle mit differenzierter Bordhöhe
  • ausgebildet sein.

Die abgesenkten Borde müssen sich visuell kontrastierende zur Fahrbahn für sehbehinderte Menschen absetzen (DIN 18040-3)!

BODENINDIKATOREN
Die Querungsstellen müssen für blinde und sehbehinderte Menschen die eindeutige Auffindbarkeit der Borde garantieren. Dazu sind in Kombination von Auffindestreifen und Richtungsfeld nach DIN 32984 Bodenindikatoren anzulegen. Der Auffindstreifen besteht aus diagonaler Noppenstruktur und verläuft über die gesamte Gehwegbreite bis zum Richtungsfeld in Rippenstruktur am Bordstein. Das Regelmaß der Verlegebreite beträgt 90 cm, die Tiefe des Richtungsfeld 60 cm.


Beispielskizze von Querungsstellen mit Lichtsignalanlage unter Verwendung unterschiedlicher Bordsteinausbildung

1. Gemeinsame Querungsstelle mit 3 cm Bordhöhe
Zwischen den Anforderungen von Rollstuhl- und Rollatornutzern nach leichter Überrollbarkeit von Bordsteinkanten und den Anforderungen blinder und stark sehbehinderter Menschen nach deren Taktilität mit dem Langstock, besteht ein deutlicher Zielkonflikt. Die Absenkung der Bordsteinkante auf 3 cm gilt seit vielen Jahren als sinnvoller Kompromiss, der bereits in der DIN 18024 von 1974 sich niederschlug und auch bis heute in der DIN 18040-3 beibehalten wurde. Maßgebend ist, dass die Bordsteinhöhe genau auf 3 cm Ansicht abgesenkt wird (keine Höhentoleranz weder nach unten noch nach oben!) und dass die Ausformung der Bordkante exakt 20 mm beträgt (DIN 18040-3).

2. Getrennte Querungsstelle mit differenzierter Bordhöhe

Alternativ zu dem bestehenden Kompromiss zur Ertastbarkeit und Berollbarkeit der 3 cm Bordhöhe zwischen blinden und sehbehinderten Menschen und Menschen mit rollenden Fortbewegungsmitteln, werden in der RASt 06 und nun auch in der DIN 32984 (2011-10) getrennte Lösungsmöglichkeiten der Fahrbahnrand-Einfassung mit Hilfe differenzierter Bordhöhe aufgezeigt. Darin werden innerhalb eines Querungsbereiches auf der einen Seite am Lichtsignalgeber blinde und sehbehinderte Fußgänger über einen Auffindestreifen zum 6 cm hohen Bord geführt, auf der anderen Seite des Ampelmastes überqueren Menschen mit Gehbehinderungen oder mit rollenden Fortbewegungsmitteln die Bordsteinabsenkung auf Fahrbahnniveau (Nullabsenkung).

Der Vorteil liegt darin, eine getrennte Führung schafft mehr Klarheit. Mit Hilfe dieser differenzierten Bordhöhen kann jeder Passant seinen eigenen Querungsbereich nach seinem Ermessen auswählen, wie er die Straße überqueren will. Getrennte Querungsstellen mit differenzierten Bordhöhen werden deshalb als Vorzugsvariante angesehen. Diese Bauweise verlangt allerdings perfekte Ausführungszeichnungen und erfordert eine exakte Bauausführung.

Merkmale sind:

  • Menschen mit rollenden Fortbewegungsmitteln fahren über eine von 3 cm auf Fahrbahnniveau abgesenkte profillose schmale Rampe.
  • Der Rampenbereich wird durch ein wahrnehmbares Sperrfeld mit Rippenprofil parallel zum Fahrbahnrand für blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderungen abgesichert.
  • Der auf Fahrbahnniveau abgesenkte Bereich ist an der kreuzungszugewandten Seite anzulegen.
  • Blinde und sehbehinderte Menschen erhalten ihre sichere tastbare Bordsteinkante von 6 cm Höhe dementsprechend an der kreuzungsabgewandten Seite.
  • Das Auffinden der Querungsstelle für blinde und sehbehinderte Menschen erfolgt mittels Bodenindikatoren, die quer über den gesamten Gehweg verlegt an den 6 cm hohen Bordstein anschließen.
  • Bei Querungsstellen mit Lichtsignalanlage befindet sich der Blindenübergang (Auffindestreifen) unmittelbar neben dem Signalgeber (maximaler Abstand 50 cm).
  • Querungsstellen an Fußgängerüberwegen sollten zwischen Sperrfeld und Auffindestreifen einen möglichst großen Abstand aufweisen.
  • Der Einsatz der Bodenindikatoren ist auf ein Mindestmaß fixiert.


Beispielfotos

Typische Querungsstelle aus den 1975er Jahren

Typische Querungsstelle aus den 1975er Jahren:
Bordabsenkung: 6 cm hoch, Kantenausrundung: 10 mm mit kontrastierender Randeinfassung! Zur damaligen Zeit eine aktuelle Querungsstelle. Für Rollstuhlbenutzer noch mögliche Bordsteinüberfahrt, sehr gute Tastbarkeit mit dem Blindenlangstock, seitliche Tastkante vorhanden, Auffindestreifen sind noch nicht vorgesehen.


Gemeinsame Querungsstelle mit 3 cm Bordhöhe (2003)

2003 - Gemeinsame Querungsstelle mit Lichtsignalanlage:
Durchgehende Bordsteinhöhe von 3 cm, die Kontrastität der Borde wurde nach und nach vernachlässigt, die Bordsteinkanten erhalten eine größere Ausformung (z.B. Rundbord r2: 20 mm), dadurch Einschränkung der Taktilität mit dem Blindenlangstock. Für Rollstuhlbenutzer verbesserte Bordsteinüberfahrt. Anordnung von Auffindestreifen mit Noppen, aber noch ohne Richtungsfeld


Getrennte Nutzung einer Querungsstelle durch differenzierte Bordhöhen (2008)

2008 - Getrennte Querungsstelle mit FGÜ (Zebrastreifen):
Konventionelle Randeinfassung mit Rundbord r2, keine Kontrastität der Bordsteine, ertastbare Bordhöhe von 4 cm für blinde und sehbehinderte Menschen noch möglich. Partielle Bordabsenkung auf Fahrbahnniveau für Menschen mit rollenden Verkehrsmitteln. Noch keine perfekte Lösung!


Getrennte Querungsstelle wird nach Fertigstellung vom Auftraggeber geprüft (2009)

2009 - Getrennte Querungsstelle mit Lichtsignalanlage:
Differenzierte Randeinfassung. Bordhöhe: 6 cm mit Kantenausrundung von 15 mm für blinde und sehbehinderte Menschen. Partielle Nullabsenkung über einem berollbaren Bord (im Bild nicht sichtbar). Kontrastierende Randeinfassung einschließlich Begleitfläche. Auffindestreifen mit trapezförmigen Noppen und Richtungsfeld aus Rippenplatten. Barrierefreie Querungsstelle gemäß Handbuch "Barrierefrei im Verkehrsraum - LEITdetails"


Getrennte Querungsstelle mit differenzierter Bordhöhe

2011 - Getrennte Querungsstelle mit Lichtsignalanlage:
Ausbau analog Bild von 2009 mit differenzierter Bordhöhe, Absicherung der 1 m breiten Nullabsenkung durch ein Sperrfeld aus Rippenplatten. Barrierefreie Querungsstelle gemäß Handbuch "Barrierefrei im Verkehrsraum - LEITdetails"


Anordnung getrennte Querungsstelle an einer Kreuzung (2007)

2011 - Getrennte Querungsstelle mit Lichtsignalanlage über Mittelinseln:
Die getrennte Führung auf dem Gehweg und Mittelinseln schaffen bei allen Fußgängern mit und ohne Behinderung Klarheit und Sicherheit. Barrierefreie Querungsstelle gemäß Handbuch "Barrierefrei im Verkehrsraum - LEITdetails"


Anwendungsbeispiele hierzu sind im Handbuch „IM DETAIL – Taktiles Leitsystem im Verkehrsraum“ aufgezeichnet. mehr »


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