Treppen und Rampen

Beispiel einer barrierefreien Freitreppe von Setzstufen mit sich verringernder Höhe

Beispiel Hochschule Fulda:
Um den Außenraum für die Hochschule Fulda barrierefrei nutzbar zu machen wurde 2018 nachträglich in den Bestand von Granitpflasterflächen ein Blindenleitsystem erstellt. Auf eine Länge von ca. 500 m entstand ein geschlossenes Leitsystem im Campus mit Bodenindikatoren einschließlich einer barrierefreien Treppenanlage. Mithilfe der Begleitstreifen erhalten die Rollstuhlnutzer eine gut berollbare Oberfläche.


Treppen sind in fast allen Wegenetzen anzutreffen und werden täglich von Millionen von Menschen benutzt, um von einer Ebene zur anderen zu gelangen. Sie stellen wegen ihrer besonderen Unfallgefahren einen wichtigen Schwerpunkt im öffentlichen Raum dar. Die nachstehenden Ausführungen sollen zur sinnvollen Gestaltung beitragen und anhand der praktischen Beispiele zur richtigen Umsetzung auffordern.

Unfälle an Treppen sind keine Seltenheiten und führen bei den Betroffenen zu schweren persönlichen Schäden. Beim Entwurf von Treppenanlagen spielt deshalb auch der Gesichtspunkt der Barrierefreiheit eine bedeutungsvolle Rolle. Vom Gesetzgeber gelten zur Herstellung von Barrierefreiheit folgende Vorgaben.

Gesetzliche Vorgaben:

  1. Grundgesetz Art. 3: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden"
  2. Behindertengleichstellungsgesetze des Bundes und der Länder - BGG §4 - wird verlangt und definiert: "Barrierefrei sind bauliche ... Anlagen,... wenn sie für behinderte Menschen in der allgemeinen üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind"
  3. UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen (seit 2009 in Deutschland rechtsverbindlich) fordert u.a.: "Die Vertragsstaaten treffen ... geeignete Maßnahmen, ... um Mindeststandards und Leitlinien für den barrierefreien Zugang von Einrichtungen - die der Öffentlichkeit offenstehen oder für sie bereit gestellt werden - anzubieten, die alle Aspekte der Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen berücksichtigt.
  4. Bauordnungen der jeweiligen Bundesländer. Treppen gehören zu den baulichen Einrichtungen, die ihre Gestaltung vornehmlich durch das Bauordnungsrecht der Bundesländer festgelegt ist. Die Qualität des Inhalts ist jedoch unterschiedlich.

Kurzerläuterungen

Zur Überwindung von Höhenunterschieden in Straßen- und Platzräumen werden Treppen, Rampen und Aufzüge eingesetzt. Treppen sind zur barrierefreien Überwindung von Höhenunterschieden ungeeignet, denn sie bilden für viele behinderte Menschen das größte Hindernis für ihre Mobilität. Nur unter bestimmten baulichen Voraussetzungen sind Treppen nutzbar. Barrierefreie Rampen sollten in der Nähe der Treppenanlage angelegt werden, damit die Mobilitätsbehinderten auch ohne besonderen Hinweis den Umgehungsweg erreichen können.

Das Bild

Treppenanlagen mit Setzstufen mit sich verringernder Höhe (genannt auch auslaufende Stufen oder Schleppstufen) sind für Menschen mit Behinderungen ungeeignet. Mit Sachverstand lassen sich auch diese Treppen mit gleichmäßigem Auftritt (ebenso Abtritt) ausführen. Bei dieser Treppe blieben die Setzstufen aus Granitbordsteinen bestehen und die Trittstufen aus Granitkleinpflaster wurden im Bereich des Doppelhandlaufes beidseitig durch eine Basaltplatte ersetzt. Dadurch entstand der erforderliche Kontrast zur Stufenkante der Granitborde.

Unfälle an Treppen entstehen durch:

  • Stürzen und Abstürzen
  • Stolpern und Umknicken
  • Ab- und Ausrutschen
  • Erhebliche körperliche Anstrengung (z.B. beim Aufstieg langer Treppenläufe)

Ursachen von Unfallgeschehen sind:

  1. Nutzerbedingte Ursachen
    wie Unachtsamkeit (Hektik), Stress, Nichtbenutzung von Handläufen, ungeeignetes Schuhwerk
  2. Organisatorische Ursachen
    wie Unübersichtlichkeit durch Abstellen von Gegenständen, die die freie Sicht behindern (z.B. Mülltonnen, Werbetafeln, Fahrräder)
  3. Technische Ursachen
    bauliche Mängeln, wie ungleichmäßige Steigung der Stufen, kurze Treppenauftritte, unzureichende Rutschhemmung der Auftrittsfläche, ungeeignete Treppenkantenprofile, unpassendes Schrittmaß, zu hohe Stufensteigungen, Hängenbleiben am offenen Handlauf- und Geländerenden, fehlende oder falsch angebrachte Handläufe, ungünstige optische Gestaltung von Treppen, falsche Beleuchtung, u. v. m.


Hersteller barrierefreier Produkte: