Treppengestaltung

Wichtige Kriterien zur Treppengestaltung

Gestaltungsbeispiel einer barrierefreien Treppe nach DIN 18040-1, DIN 32984 und DIN 32975

Konstruktive Einzelheiten sind in Regelwerken und Normen festgelegt. Freitreppen der äußeren Erschließung unterliegen ebenso den Anforderungen nach der DIN 18065 zur Treppengestaltung von Gebäuden als auch deren zusätzlichen Anforderungen an Barrierefreiheit. Treppen sind für Menschen mit begrenzten motorischen Einschränkungen sowie für blinde und sehbehinderte Menschen barrierefrei nutzbar, wenn entsprechende Vorraussetzungen (wie nachstehend aufgeführt) geschaffen werden.

Vorgaben aus technischen Regelwerken:
RASt 06 - Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen, Ausgabe 2006
EFA - Empfehlungen für Anlagen des Fußgängerverkehrs, Ausgabe 2002
H BVA - Hinweise für barrierefreie Verkehrsanlagen, Ausgabe 2011

Vorgaben von Normen:
DIN 18065 (2011-06) "Gebäudetreppen – Begriffe, Messregeln, Hauptmaße".
DIN 18040-01 (2010-10) Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen, Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude
DIN 32975 (2009-12) Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung
DIN 32984 (2011-10) Bodenindikatoren im öffentlichen Raum

1. Stufen:

  • Stufenauftritte sind konstruktiv nach der Stufenformel zu ermitteln (vgl. RASt 06, Tab. 37)
  • Stufen müssen geschlossen sein, kein Überstand der Trittstufen, sonst Stolpergefahr!
  • Stufen müssen geradlinig verlaufen, Richtungswechsel ist am Podest vorzusehen
  • Stufen mit seitlicher Aufkantung vorsehen, um ein Abgleiten mit dem Geh- oder Blindenstock zu verhindern
  • Stufenvorderkanten sind kontrastierend zur umgebenden Oberfläche ausbilden mehr »
  • Zwischenpodest nach maximal 15 bis 18 Stufen (RASt 06) anordnen, besser ab 12 Stufen
  • Tiefe des Zwischenpodestes muss mindestens 1,35 m betragen, seitliche Aufkantung vorsehen
  • Trittstufen müssen rutschfest sein

2. Handlauf

  • Treppenhandläufe beidseitig anordnen
  • Treppenbreite zwischen den Handläufen mindestens 1,50 m, besser 2,50 m
  • Treppenbreite mit > 2,50 m sollte ein Mittelgeländer als doppelläufige Handläufe ausbilden
  • Handlaufhöhe beträgt 85 bis 90 cm (gemessen an der vorderen Stufenkante oder Oberfläche Zwischenpodest)
  • Handlaufhöhe für Kinder beträgt 65 cm, mindestens einseitig anbringen
  • Handlaufanfang und -ende muss mindestens 30 cm waagerecht überstehen, diese sind mit taktilen Informationen für blinde und sehbehinderte Menschen zu versehen
  • Handlaufenden sind unten abzubiegen oder an der Wand abgekröpft anzuschließen
  • lichter Handlaufabstand zur Wand beträgt mindestens 5 cm
  • Handlaufhalterung ist an der Unterseite anzubringen
  • Handlaufquerschnitt muss rund sein (oval ist auch möglich)
  • Handlaufdurchmesser soll 3 bis 4,5 cm betragen
  • Handläufe müssen sich kontrastierend vom Hintergrund abheben

3. Bodenindikatoren

  • für blinde Menschen müssen unmittelbar an den An- und Austrittstufen ein Aufmerksamkeitsfeld mit diagonalen Noppenprofilen von mindestens 60 cm Tiefe über die gesamte Treppenbreite angeordnet sein
  • bei Treppenpodesten ab 3,50 m Tiefe, sind erneut Aufmerksamkeitsfelder anzuordnen


Problematik Aufmerksamkeitsfelder an Treppenanlagen:

Empfehlung des DBSV vom 01.07.2013:

"Erkennbarkeit des unteren Aufmerksamkeitsfeldes
und der letzten Trittstufenmarkierung bei Treppen"

Erfahrungen sehbehinderte Menschen haben beim Hinabgehen von Treppen erlebt, dass helle/weiße Bodenindikatoren, die unmittelbar an den An- und Austrittstufen anliegen, zu der hellen/weißen Stufenkantenmarkierung nicht erkennen können. Ein Leuchtdichtekontrast zwischen den Aufmerksamkeitsfeldern und dem Stufenbelag ist demzufolge zu vermeiden, damit die Stufenvorderkantenmarkierung visuell hervorhebt, sonst besteht Sturzgefahr! Das bedeutet, zwischen der untersten Stufenkantenmarkierung und dem unten anschließenden Aufmerksamkeitsfeld ist ein ausreichend großer Leuchtdichtekontrast von K> 0,4 zwingend notwendig.

Gestaltungsbeispiel einer barrierefreien Treppe mit zurückversetzten Aufmerksamkeitsfeldern an der Antritt- und Austrittstufe nach Empfehlung des DBSV vom 01.07.2013

Der DBSV empfiehlt, Aufmerksamkeitsfelder vor Treppen im mindestens anderthalbfachen bis besser doppelten Abstand sowohl vor der ersten Stufe nach oben als auch vor der ersten Stufe nach unten, über die gesamte Breite der Treppe zu verlegen, wie im Bild dargestellt ist mehr »

Hinweis zur Treppenentwässerung:
Bei Außentreppen ohne Überdachung kann zur Oberflächenentwässerung der Treppen anstatt des Aufmerksamkeitsfeldes mit Noppenstruktur ein rutschfester Gitterrost mit der Maschenweite von 30/10 mm in derselben Tiefe (60 cm, besser 90 cm) eingesetzt werden.


KURZERELÄUTERUNGEN

Freitreppen (Außentreppen)
sind Verkehrswege die vom Stadtraum oder aus der Landschaft heraus zu einem Gebäude führen oder innerhalb einer landschaftlichen Anlage vertikale Höhenunterschiede überwinden. An die Verkehrssicherheit von Treppen werden hohe Anforderungen gestellt, damit eine sichere Nutzung gewährleistet wird. Dafür sind gesetzliche Baubestimmungen, Regelwerke und Normen erforderlich, die auf eine fachgerechte Gestaltung ermöglichen. Bisherige Erkenntnisse zeigen aber, dass korrekte Bauausführungen vielerorts noch nicht ausreichend beachtet wurden und dadurch bauliche Mängel entstehen. Die Begründung liegt darin, dass bei den Auftraggebern und Planern fachliche Unwissenheit zur Treppengestaltung bestehen und die Baubehörden nur äußerst zögerlich mit der Umsetzung der geltenden Baurechtsvorschriften umgehen.

TREPPENBEISPIELE AUS DER PRAXIS

Treppe Heinrich von Bibraplatz Fulda 2011
Folgende Mängel stehen an:

  • an den Stufen fehlen die kontrastierenden Markierungskanten
  • Handlauf ist am Zwischenpodest unterbrochen, dadurch fehlende Orientierung zum nächsten Stufenbeginn
  • Stufen sind zu kurz, Sturzgefahr!
    (erbaut 2011)

Treppe von oben
Dieselbe Treppe mit Blick von oben nach unten:
Die Stufenkanten sind kaum zu erkennen, für sehbehinderte und ältere Menschen besteht Sturzgefahr!

Treppe medizinisches Versorgungszentrum
Eingang medizinisches Versorgungszentrum:

  • Absturzsicherung zwischen Treppe und Rampe ist durch den Handlauf mit Knieleiste ausreichend; die Sockelleiste ermöglicht die Ertastbarkeit des Handlaufes mit dem Blindenlangstock
  • Handlauf an der Treppe entspricht in der Konstruktion der DIN 18040-1, gewährt aber keine ausreichende Stabilität im Bezug zur Standfestigkeit
  • fehlende Markierungsstreifen an den Stufenkanten
  • visuelle Kontrastität zwischen Handlauf und Umfeld ist nicht ausreichend
    (erbaut 2011)

Treppenaufgang zur Kirche
Mängel am Treppenaufgang vor einer Kirche:

  • unterschiedliche Stufenmaße oberhalb und unterhalb der Treppe
  • an der oberen Treppe sind die Markierungen an den Stufenkanten zum Teil abgenutzt, Sanierung ist erforderlich
  • neue vordere Treppe fehlende Stufenmarkierungen
  • fehlender Handlauf

Treppenaufgang zur Kirche von oben
Dieselbe Treppe mit Blick von oben nach unten:
Die oberen Stufenkanten sind zu erkennen, die unteren Stufen nach dem Podest nicht mehr, für ältere und sehbehinderte Menschen sieht der untere Bereich wie eine graue Fläche aus, es besteht Sturzgefahr!

Barrierefreie Handlaufgestaltung an einer Treppenanlage Im Detail, perfekter Handlaufbeginn an der oberen Stufe
Treppenanlage zu medizinischen Einrichtungen: Richtige Anordnung der Handläufe an den Stufen mit waagerechter Ausrichtung an den Austrittstufen, gute Greifbarkeit und durchgehender Verlauf am Zwischenpodest. (Bild Bad Nenndorf, 2012)


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