Ausschnitt einer Fußgängerzone mit hoher Aufenthaltsfunktion

Beispiel barrierefreie Platzfläche mit Wasserspiele, Anziehungspunkt für Alle

Grundfunktionen barrierefreier Freiräume

Linierung

Beispiele von Orientierungsmöglichkeiten für Blinde u. Sehbehinderte
Geschlossene
Häuserfront
Bodenindikatoren
nach DIN 32984
Taktiler u. visueller
Pflasterstreifen
Gussabdeckung auf
Entwässerungsrinne
analog DIN 32984

Zonierung

Beispiele von Materialwechsel im Seitenraum und an einer Platzfläche mit selbsterklärender Wegeführung
Vorteile:
  • gute Berollbarkeit des Plattenstreifens für Personen mit rollenden Fortbewegungsmitteln
  • gute Begehbarkeit des Plattenstreifens für alle Fußgänger
  • visuelle Wahrnehmbarkeit der Oberfläche für sehbehinderte Personen

Kontrastierung

Beispiel von verschiedenen Gestaltungselementen im Bezug zur Kontrastität
Vorteile:
  • Bild links: nur visueller Kontrast - kein taktiler Kontrast für Langstocknutzer
  • Bildmitte: nur taktiler Kontrast - kein visueller Kontrast für Sehbehinderte
  • Bild rechts: taktiler und visueller Kontrast für Blinde und Sehbehinderte
Nach dem Zwei-Sinne-Prinzip müssen im Bezug zur Barrierefreiheit der visuelle und taktile Kontrast gewährleistet sein (DIN 18040-3). Die Linienführung muss nicht unbedingt auf ein Element ausgerichtet sein, eine separate Orientierung ist auch möglich.

Oberflächenbeschaffenheit

Beispiel von verschiedenen Gestaltungselementen im Bezug zur Kontrastität

So ist es falsch!
Raues Pflaster mit großen
Fugenanteilen erschweren
das Befahren des Rollstuhls
(Oberfläche ist nicht barrierefrei)
So ist es richtig!
Ebene griffige Platten gewähren eine
bequeme Begehung und Befahrbarkeit
des Buggys
(Oberfläche mit barrierefreier Nutzung)


Allgemeine Informationen

Urbane Freiräume barrierefrei zu gestalten ist ein erklärtes Ziel in unserer Gesellschaft. Die barrierefreien Herausforderungen bestehen darin, diese Freiräume so zu gestalten, dass sie attraktiv und zugänglich sind sowie den Anforderungen verschiedener Nutzergruppen mit und ohne Behinderungen möglichst gerecht werden. Der öffentliche Freiraum ist im Sinne der Inklusion neu zu interpretieren und sollte entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten im jeweiligen Stadtquartier eine hohe Aufenthaltsqualität mit Überschaubarkeit, Orientierung, Barrierefreiheit und Sicherheitsempfinden für Kinder, Eltern und für ältere Menschen garantieren.

Die Planung urbane Freiräume unterliegen einen komplexen Beteiligungsprozess im Zusammenwirken der Nutzer, Anlieger, Politik, Ämter verschiedener Ressorts der Verwaltung, Migranten, Behindertenverbände, Landschaftsarchitekten sowie Straßen- und Verkehrsplaner etc.

Für die Gestaltung barrierefreier Freiräume im Bezug der Auffindbarkeit, Erreichbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit im Fußgängerlängs und Querverkehr sind die nachstehenden Grundfunktionen zu beachten:

Grundfunktionen der Wegebeziehung
für barrierefreie Freiräume

Linierung

am Bestand sowie durch entsprechende Bauelemente (Bodenindikatoren)
(äußere Leitlinie - taktile Borde ≥ 6 cm Ansicht)
(innere Leitlinie - Gebäudekanten, taktile Randeinfassungen etc.)

Zonierung

mit Hilfe von visuellen und taktilen Materialwechsel
(kontrastierenden Oberflächenbelag)
  • unterschiedliche Nutzung einzelner Bereiche
  • selbsterklärende Wegeführung

Kontrastierung

visuell, taktil und akustische Trennung auf niveaugleicher Ebene

Linierung, Zonierung und Kontrastierung
bilden im Kontext eine Einheit.

Weitere wichtige Merkmale sind:

  • Integrierung städtebaulicher Anforderungen
  • nach Bedarf: Implementierung des Denkmalschutzes
    • Barrierefreiheit mit denkmalgeschützter Architektur ästhetisch und funktional im Einklang bringen!

Grundlagen - Leitsystem

Planungsorientierung

  • Erstellung eines Gesamtkonzeptes zur Erschließung des räumlichen Umfelds (Parkplätze, ÖPNV, Straßenraum, Beleuchtung, Beschriftung etc.).
  • Anzustreben sind angemessene gestalterische und ästhetische Lösungen, keine abgekoppelte Einzelmaßnahmen

Bauliche Anforderungen

  • Klare Linienführung und strukturierte Bepflanzung
  • Ausreichender Raum für komplexe Bewegungsvorgänge, Aufenthalt und Stadtmobiliar
  • Optischer Kontrast zwischen Hauptwegen und seitliche Nutzung (z. B. Geschäftsauslagen, Werbung und Verweilflächen mit Sitzbänken und Tischen)
  • Hauptwegerichtungen in ausreichender Breite (mindestens 2,00 m, wenn kein Sicherheitsraum erforderlich ist)
  • möglichst stufenlos (Kanten maximal 3 cm)
  • Beachtung der zulässigen maximal Längs- und Querneigung
  • Einhalten der lichten Höhe (von mindestens 2,25m)
  • Ausreichende blendfreie Beleuchtung in den Hauptwegebeziehungen
  • Gewährleistung der Feuerwehrzufahrt

Orientierungsmöglichkeiten für
Blinde und Sehbehinderte

  • Schaffung eines geschlossenen Leitsystems durch taktile und visuelle erkennbare Wegeführung
    (z.B. Leitstreifen oder Rinne, wenn Häuserfront oder sonstiges nicht möglich ist)
    • auf Plätzen und große Gehbereiche (Fußwegbreite > 8 m)
    • an Wegeführung mit Lücken
    • an Aufzügen
    • bei Verkehrsflächen mit Niveauwechsel (z.B. Treppenanlagen)
    • an Zugänge zu öffentlichen Verkehrsmitteln
      (Haltestellen, Taxistände, Bahnsteigen)
    • bei Eingänge öffentlicher Gebäude (Rathäuser, Gerichtsgebäude, Krankenhäuser)
    • an Querungsstellen evtl. über Fahrbahnen (Pflasterstreifen)

Weitere Informationen mit Entwurfsbeispielen über barrierefreien Freiräumen wie,
  • Platzgestaltung
  • Fußgängerzone
  • Verkehrsberuhigter Bereich
  • Shared Space-Bereich
sind im Seminarangebot zum Themenblock "Leitsysteme für Fußgängerbereiche", aufgeführt.

Hersteller barrierefreier Produkte: