Barrierefreie Gehwege - Bewegungsflächen für den Fußgängerverkehr

Beispiel einer Seitenraumaufteilung an einer Straße mit deren Bewegungsflächen für den Fußgängerverkehr

Die Verkehrsflächen im Straßenraum werden aufgrund ihrer Funktion (motorisierten Verkehrs, Radfahrverkehr, Fußgängerverkehr) voneinander getrennt. Im Trennungsprinzip wird gegenüber dem Kfz-Verkehr ein baulich abgetrennter Seitenraum festgelegt, der die eindeutige Nutzung für die Fußgänger definiert. Dadurch wird eine verkehrsrechtliche Zuweisung hervorgerufen. Die Abtrennung, erfolgt in der Regel mit Bordsteinen, die parallel zur Fahrbahn verlaufen, wobei Borde mit verschiedenen Höhen und Breiten eingesetzt werden. Eine Abgrenzung des Gehweges zur Fahrbahn kann aber auch durch einen Grünstreifen (z.B. Bepflanzung von Sträuchern, Bäumen usw.) oder durch einen Radweg erfolgen.

Anlagen des Fußgängerverkehrs müssen den unterschiedlichen Nutzergruppen gerecht werden (z.B. Menschen mit Gepäck, Kinderwagen, Rollatoren, Rollstühlen, Menschen mit Seh-, und Gehbehinderungen sowie mit Hörschäden, ältere Menschen aber auch Menschen mit vorübergehenden Behinderungen, die durch Unfall oder Krankheit entstanden sind.

Die Regelbreite eines Gehweges wird in erster Linie von der Gesamtbreite und ihrer Funktion einer Straße bestimmt. Sie ergibt sich aus den Anforderungen des Verkehrsraumes für die Fußgänger. Entwurfsgrundlage für die Bemessung und der Gestaltung des Seitenraumes bilden u.a. die Dokumente:

  • RIN "Richtlinien für die integrierte Netzgestaltung" (FGSV, Ausgabe 2008)
  • RASt 06 "Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen"
  • EFA"Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen"
  • DIN 18040-01 Barrierefreies Bauen Planungsgrundlagen Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude (sinngemäße Anwendung auch für Gehwege)
  • DIN18040-3 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen - Teil 3: Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum
  • DIN 32975 Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung
  • DIN 32984 (2011-10) Bodenindikatoren im öffentlichen Raum

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Grundmaße für den Raumbedarf beim Gehweg (Regelfall)

Aufteilung straßenbegleitende Gehwege in Funktionszonen

Zur Gewährleistung einer unbehinderten Mobilität auf den Gehwegflächen sind Bewegungsräume frei von Hindernissen zu halten. Der Bewegungsraum im Längsverkehr muss mit ausreichender Breite bemessen sein, so dass sich zwei Personen mit den notwendigen Abständen begegnen können. Dazu ist ein barrierefreier Verkehrsraum festzulegen und der die Fußgänger zur Fahrbahn und Hauswand mit den notwendigen Abständen schützt.

  1. Verkehrsraum (Gehbahn)
    Hier wird eine freizuhaltende Nutzungsfläche als Verkehrsraum für den Fußverkehr sichergestellt. Der Verkehrsraum ist mit einem ebenen fugenarmen Plattenbelag auszulegen. Bei einer Neuanlage ist für die unterschiedlichen Personengruppen der Mindestbedarf an Bewegungsbreite zu berücksichtigen.

    Bei einer Engstelle wird die Gesamtbreite des Gehweges mit eine Mindestbreite von 2,50 m vorgegeben. Beim abgeminderten Regelfall soll jedoch der Verkehrsraum mit 1,80 m Breite zuzüglich 0,30 m Sicherheitsabstand zur Fahrbahn nicht unterschritten werden. Wird dieser Wert aus Platzmangel nicht eingehalten, dann sind Querungsmöglichkeiten am Beginn und Ende der Engstelle vorzusehen oder Ausweichrouten für den Fußgängerverkehr anzubieten.

  2. Oberstreifen – konventionell als Traufstreifen bekannt
    Der Oberstreifen übernimmt vorwiegend die Aufnahme von Regenfallrohre, Kellerlichtschächte sowie Treppenstufen und Rampen oder vorragende Balkone. Im Oberstreifen können aber auch Aufenthaltsräume, Ruheflächen und Verweilzonen angelegt werden sowie Ausstattungselemente, wie z.B. Briefkästen, Abfallbehälter, Fahrradständer, Ruhebänke, Werbetafeln, Vitrinen, usw., dazu sind Breitenzuschläge erforderlich, die über das Regelmaß hinausgehen (RASt 06 Tab. 25).
  3. Unterstreifen – Sicherheitsstreifen am Fahrbahnrand
    Diese Bereich dient der Aufnahme von senkrechten und waagerechten Verkehrsleiteinrichtungen, wie Lichtsignalanlagen, Verkehrszeichen Schutzgeländer, Poller aber auch Beleuchtungsmasten usw. Bei größeren Breiten werden im Unterstreifen auch Bäume, Fahrrad- und Pkw-Stellplätze, Werbeeinrichtungen auch Straßencafés und Warenauslagen untergebracht.

    Hinweis:
    Ober- und Unterstreifen sind mit ausreichender Rauhigkeit und Kontrastität gegenüber dem ebenen fugenarmen Gehbahnbelag anzulegen, die eine taktile und optische Wahrnehmbarkeit zur Gehbahn aufzuweisen hat. Für blinde und sehbehinderte Personen sind diese Pflasterstreifen eine bedeutende wirkungsvolle Orientierungshilfe in Form einer Leitfunktion. Gegenüber dem Regelfall kann je nach Funktion die Breite von Unter- und Oberstreifen wechseln.


Hilfreiches Bildmaterial

Beispiele aus Merseburg (Sachsen Anhalt)
Stadt mit ca. 36.000 Einwohner

Seit 1991 erhält die Stadt Merseburg umfangreiche Fördermittel aus städtebaulichen Programmen. Im Sanierungsgebiet der "Altstadt" und der "Innenstadt" werden auch die Verkehrsflächen erneuert und umgebaut. Nachfolgend einige Beispiele von barrierefrei gestalteten Gehwegoberflächen.

Gehwege Merseburg kleine Rittergasse

Kleine Rittergasse
Die ältere Dame mit ihrem Rollator hat ein bequemes Gehen auf dem ebenen hellen Plattenbelag der Gehbahn. Blinde und sehbehinderte Personen können sich durch die seitlich eingefassten Mosaikpflastersteine visuell und taktil orientieren. Die Granit-Bordsteinkante gewährleistet die wahrnehmbare Sicherheit zwischen dem dunklen Straßenpflaster und dem dunklen Gehwegpflaster. Zur tastbaren Erkennung der Grundstückzufahrt wurde die Überfahrt mit gröberen Pflastersteinen belegt. Außerhalb der Gehbahn befindet sich im Oberstreifen ein Vitrine, die aber leider keine ausreichende Kontrastität aufweist.

Gehwege Merseburg Straße Hölle

Straße "Hölle"
Der straßenbegleitende Gehweg ist ebenfalls in Funktionszonen gegliedert. Dem Unterstreifen sind die Verkehrsleiteinrichtungen und die Straßenbeleuchtung zugeordnet. Im Oberstreifen lassen sich die Kellerlichtschächte mit den Kleinpflastersteinen gut umpflastern. Die behinderte Frau im Rollstuhl hat ein bequemes und angenehmes fahren auf der mit Platten belegten Gehbahn. Die sozialen Ansprüche für den Fußgängerverkehr erfüllen hier die Anforderungen an Barrierefreiheit.

Gehwege Merseburg Schulstrasse

Schulstraße
Die Aufteilung eines barrierefreien Seitenraumes lässt sich auch im Bestand umsetzen. Die gelungene Straßensanierung in der Altstadt erfüllt alle Anforderungen des Verkehrsraumes. Die Erhaltung des Großgrüns und deren Nachpflanzungen ergeben einen idyllischen Flair in dieser Straße.

Gehwege Merseburg Gotthardstrasse(Fotos: W. Mühr 2009)

Gotthardstraße
Beim Ausbau im Bestand ist die Aufteilung des Straßenraums mit der Ausweisung ausreichender Bewegungsflächen für Fußgänger oft problematisch und führt zu Konflikten zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern. Kompromisse sind notwendig, klare verkehrliche Trennungen sind anzubieten und ausreichende Bewegungsmöglichkeiten für Personen mit rollenden Hilfsmitteln zu schaffen (siehe Bildvergrößerung).

Bei der Umgestaltung einer Straße zur Fußgängerzone, kann eine schwache Separation (wie hier zu sehen ohne Borde) die einzige Möglichkeit sein, dass Trennungsprinzip Aufrecht zu erhalten. Der Beibehaltung des historischen Straßencharakters durch Natursteinpflaster in Kombination mit Plattenbelägen, bieten mobilitätsbehinderte Personen eine unbehinderte Nutzung des Seitenraumes. Besonders bei Unterschreitung der Gehwegmindestbreite sind diese Bauweisen von Vorteil, weil Personen mit Rollstühlen und Rollatoren z. B. bei Engstellen die Pflastermulde als (indirekte) Nullabsenkung mitbenutzen können. Positiv ist auch auf dem Bild zu erkennen, dass die Straßenbeleuchtungen im schmalen Gehwegbereich an der Hauswand befestigt sind. Blinde und sehbehinderte Personen können die beidseitigen Pflastermulden als Leit- und Orientierungshilfe nutzen.

Beispiele von mustergültigen Gehwegen
aus Brandenburg

Gehweg Zehdenick Gehweg Eberswalde
links: Zehdenick, Kleinstadt mit ca. 14.00 Einwohnern
rechts: Eberswalde, Kreisstadt mit ca. 41.000 Eninwohnern

Gehweg Rheinsberg Gehweg Rheinsberg
Gemeinde Rheinsberg mit ca. 8.500 Einwohnern

Nach örtlicher Situation gut gegliederte Gehwege für Fußgänger mit funktionsgebundenen Seitenräumen. Die Zonierung gewährleistet, dass der für die Barrierefreiheit notwendige Verkehrsraum sichergestellt wird.

(Fotos: W. Mühr 2011)


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