Mobilitá urbana per tutti
Städtische Mobilität für Alle
DESIGN FOR ALL
Progettare senza barriere - Barrierefreies Planen
Freie Universität Bozen
Tagung: 6.10.2010

Gestaltung barrierefreier Fußgänger-Querungsstellen
nach den Prinzipien
DESIGN FOR ALL

In der nachstehenden Ausführung wird versucht, ausgehend von den gegenwärtigen europäischen Fußgänger-Querungsanlagen über die Prinzipien des Design for all und unter Beachtung der unterschiedlichen europäischen Regelwerken, Kriterien aufzuzeigen, die eine Antwort auf die Frage zum Design for all geben. Es können im Einzelnen allgemeingültige Lösungen entstehen, die als Rahmenbedingungen international zu erfassen sind und zum Beispiel in der ISO-Norm einfließen.

Auszug aus Tagung: “Design for All mobile 2010”

Bedeutung Design for all:

Im "Design for all" werden spezialisierte Auslegungen in Form von Prinzipien dargelegt, die über Richtlinien Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Produkten und der Umgebung definieren. Diese Prinzipien liefern Anleitungen zum Entwurf und Bau im Hinblick auf die menschliche Vielfältigkeit unter dem Aspekt der sozialen Integration und Gleichstellung der Menschen unabhängig von einer Behinderung, seiner Kultur und Geschlecht.

Nach der Definition von Barrierefreiheit im § 4 des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) sind die Prinzipien gleichrangig und bieten allen Menschen gleiche Chancen für die Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen. Der Begriff "Design for all" kann demzufolge im Wesentlichen mit dem Begriff "Barrierefreiheit für alle" gleichgestellt werden. Die Prinzipien werden aber auch als eine Weiterentwicklung der Barrierefreiheit angesehen und gelten als das höchste Ziel barrierefreien Gestaltens und Bauens. In diesem Zusammenhang kommt dem Design for all im Planungsprozess und in der raumbezogenen Forschung eine zentrale Bedeutung zu.

Im Planungsprozess ergeben sich folgende Fragestellungen:

  • Kann nach den Prinzipien des "Design for all" eine weitreichende Barrierefreiheit im Verkehrsraum umgesetzt werden?
  • Tragen die Prinzipien des "Design for all" den Qualitätsmerkmalen des barrierefreien Bauens Rechnung?
  • Lassen sich flankierende Maßnahmen im EU-Raum verwirklichen?
  • Besteht die Möglichkeit europäische Regelwerke zu integrieren?
  • Können die Gestaltungselemente zu einfachen einheitlichen Lösungen führen?
  • Welche praktikable Lösungen von Fußgänger-Querungsanlagen sind möglich?

Nach der Philosophie des "Design for All" lassen sich
Querungsstellen wie folgt definieren:

Querungsanlagen müssen für alle Menschen zugänglich und nutzbar sein, unabhängig von Alter, Geschlecht, Leistungsfähigkeit oder kulturellem Hintergrund

  • Visuell, taktil und akustisch kontrastierende Gestaltung des Überquerungssektors mit deren Ausstattung vorsehen
  • Keine Begünstigung einzelner Personengruppen, die zum Nachteil anderer Nutzer führen
  • Wahlmöglichkeiten der Nutzung der Querungsstelle anbieten
  • Schnittstelle Gehweg/Fahrbahn verkehrssicher gestalten
  • Bedienungselemente sollen ohne körperliche Beanspruchung erfassbar und begreifbar sein
  • Ausreichende blendfreie Beleuchtung vorsehen

Die unterschiedlichen verkehrlichen, baulichen und topografischen Situationen verlangen individuelle Lösungen, aber in einer allgemeingültigen wiederkehrenden Systematik und mit gleicher Bedeutung unter dem Aspekt der

  • Einfachheit (leicht begreifbar - gleiche Merkmale)
  • Eindeutigkeit (gut merkbar - gleiche Funktionen)
  • Sicherheit (Zwei-Sinne-Prinzip)

Bodenindikatoren sind bei komplexen Verkehrsanlagen in einem zusammenhängenden kontinuierlichen Orientierungssystem für sehgeschädigte Menschen zu erfassen

  • Gewährleistung der Detektierbarkeit mit Langstock und podotaktile Erfassung
  • Oberfläche in kontrastierender Farbkombination, Vermeidung von Spiegelungen und Blendungen

Einbeziehung rechtlicher Vorgaben

  • Ausrichtung nach Regelwerken und Standards nach dem erreichten Stand der Technik

Beachtung wirtschaftlicher Gesichtspunkte

  • Kosten- Nutzungsfaktor genau abwägen

Kreative Planung nach architektonisch-gestalterischen Gesichtspunkten
(Ästhetik ist auch für sehende Menschen von Bedeutung)

  • Modellhafte Vorlagen (Gestaltungsmerkmale wenn möglich als "selbsterklärende Straße")
  • Fachliche Kompetenz und Motivation

Controlling

  • Eigenkontrolle auf der Baustelle vom Auftraggeber und Auftragnehmer
  • Regelmäßige Kontrollen, Wartung und Instandhaltung

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Auszug Bildmaterial

Grafischer Überblick: Die sieben Prinzipien des Design for all
Grafischer Überblick:
Die sieben Prinzipien des Design for all

Breite Nutzung

1. Prinzip - Breite Nutzung
Beispiel: Nutzung unterschiedlicher Fahrbahnrand-Bauteile an Querungsstellen in europäischen Städten mit dem Ziel "Design for all"

Einfache und intuitive Benutzung

3.Prinzip - Einfache und intuitive Benutzung
Beispiel: Auswahl geeignete tastbare Kombination zwischen Rippenprofil und diagonalen Noppenprofil

Sensorisch wahrnehmbare Informationen

4. Prinzip - Sensorisch wahrnehmbare Informationen Beispiel: Visuelle und tastbare Querungsstelle mit LSA bei durchgehender Nullabsenkung zuzüglich seitlicher Sicherheitspoller (analog System LOGES - Italien)
Hinweis:
Diese Bauweise ist nur akzeptabel, wenn sehgeschädigte Personen am Fahrbahnrand eine eindeutige Sicherheit am Kodex (Bodenindikatoren) "Begrenzungsstreifen" garantiert wird!

Fehlertoleranz

5. Prinzip - Fehlertoleranz
Negativ-Beispiel: Planung und Bau erfolgten durch Unkenntnis. Für sehgeschädigte Personen eine unbrauchbare Querungsstelle!

Fehlertoleranz

7. Prinzip - Passabler Bewegungsraum
Street furniture (Straßenmöbel)
Beispiel: Schaffung hindernisfreier Bewegungsraum
in der Gehweg-Nutzfläche. Er muss frei von räumlichen (architektonische) Barrieren sein.


Praxisbeispiele von Querungsstellen in Italien | (Pratica esempi di attraversamenti pedonali in Italia)

Rovereto, Corso Antonio Rosmini (2010)   Trento, Corso Michelangelo Buonarroti (2010)   Palermo, Altstadt (2006)

Rovereto, Corso Antonio Rosmini (2010)
Architektonisch sehr ansprechbarer Straßenraum
mit perfekter Verlegung der Straßen-Bauteile, barrierefreie Anlagen sind leider nicht korrekt angeordnet

 

Trento, Corso Michelangelo Buonarroti (2010)
Ästhetische Querungsstelle nach dem System "LOGES" mit Radwegübergang, Kodex "überquerende Gefahr" (Codice di "Pericolo valicabile") ist am Fahrbahnrand kaum taktil ertastbar

 

Palermo, Altstadt (2006)
Ästhetisch gestaltetes Leitsystem im Gehweg mit
Anbindung einer Querungsstelle nach System "LOGES",
problematische Ertastbarkeit des Begrenzungssteifens
am Fahrbahnrand für sehgeschädigte Personen


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