Barrierefrei Planen und Bauen
von Außenanlagen mit der DIN 18040-1

Barrierefreies Bauen - Planungsgrundlagen,
Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude (Ausgabe 2010-10)
Hinweis:
Ersatz für DIN 18024-2: 1976-04, 1996-11

Die folgenden Ausführungen geben inhaltlich nur einen Teil der DIN wieder, so dass die Textabschnitte und die grafischen Zeichnungen zwar den Angaben der DIN 18040-1 entsprechen, aber eigenständige Originalität vermitteln.

Das Ziel dieser Norm ist es, eine Infrastruktur im öffentlichen Raum zu schaffen, die im Zusammenhang mit den baulichen Maßnahmen im Gebäude und den dazugehörigen Außenanlagen eine komplexe barrierefreie Erschließung bildet. Das bedeutet, dass die Bauteile und technischen Einrichtungen im und außerhalb des Gebäudes nach einheitlichen Messgrößen und Parametern auszurichten sind. Der Teil 1 der DIN 18040 liefert für die Planung die notwendigen Grundlagen einer inneren und äußeren Raumgeometrie zur Barrierefreiheit öffentlich-baulicher Anlagen. Damit wird für alle Personen eine selbstbestimmbare, unabhängige und selbstständige Nutzung ermöglicht. Diese DIN gilt auch sinngemäß für die Planung von Umbauten oder Modernisierungen öffentlich zugänglicher Gebäude.

Unabhängig von dieser Norm müssen aber auf Grund der jeweiligen technischen und spezifischen Anforderungen auch weitere Normen und Regelwerke nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik herangezogen werden.

Zu den öffentlich zugänglichen Gebäuden gehören z.B.:
  • Einrichtungen des Kultur- und des Bildungswesens
  • Sport- und Freizeitstätten
  • Einrichtungen des Gesundheitswesens
  • Büro-, Verwaltungs- und Gerichtsgebäude
  • Verkaufs- und Gaststätten
Zur verkehrlichen Erschließung gehören:
  • Stellplätze
  • Garagen
  • Toilettenanlagen (vgl. § 50 Abs. 2 MBO)

Kriterien im Gebäude (innere Erschließung)

Folgende Anforderungen werden u. a. definiert:

  • Flure und sonstige Verkehrsflächen
  • Türen, Aufzugsanlagen
  • Räume für Veranstaltungen
    • feste Bestuhlung, Informations- und Kommunikationshilfen
  • Sanitärräume
    • Bewegungsflächen, Toiletten, Waschplätze, Duschplätze, Liegen, Notrufanlagen
  • Umkleidebereiche
  • Schwimm- und Therapiebecken sowie andere Beckenanlagen

Kriterien bei Außenanlagen (äußere Erschließung) Zugangs- und Eingangsbereiche

Die Bewegungsfläche muss ausreichend groß für die geradlinige Fortbewegung, den Begegnungsfall sowie für den Richtungswechsel sein. Zugrundegelegt werden Personen, die den größten Flächenbedarf benötigen, das sind in der Regel Menschen, die Rollstuhl oder Gehilfen benutzen.

  • Gehwegbreite: 150 cm (Regelmaß)
  • Mindestbreite 1,20 m für 1 Person mit kurzem Zugangsweg bis zu 6 m Länge
    (am Anfang und Ende muss eine Wendemöglichkeit vorhanden sein)
  • Gehwegbreite für 2 Rollstühle: 1,80 m
    (nach ca. 15 m Länge: Begegnungsfläche von 1,80 x 1,80 m)
  • Bewegungsfläche für 1 Rollstuhl: 1,50 x 1,50 m (Drehbewegung)

Zugang zu unterschiedlichen Ebenen

Treppen sind nur bedingt von mobilitätsbehinderten Menschen nutzbar. Bei einer barrierefreien Gestaltung können aber auch Personen mit motorischen Eigenschaften sowie Personen mit Blindheit und Sehbehinderungen die Treppen benutzen.

  • Der Treppenlauf ist geradlinig zu führen und muss rechtwinklig zu den Stufenkanten verlaufen.
  • Bei gebogenen Treppenläufen muss der Innendurchmesser des Treppenauges > 2,00 m sein.
  • Setzstufen müssen senkrecht verlaufen, maximale Schräge zur Unterkante ist zulässig.
  • Die Stufenkanten der Tritt- und Setzstufen sind kontrastierend zu gestalten, 4 bis 5 cm Breite auf der Trittstufe, 1 cm bis 2 cm auf der Setzstufe.
  • Bis zu drei Stufen ist jede Stufe zu markieren.
    Bei Treppenanlagen mit > als 3 Stufen ist mindestens die erste und letzte Stufe mit einer Markierung vorzusehen. Bessere Lösung ist, wenn alle Stufenkanten kontrastierend markiert werden.
  • Seitlich zur Stufe kann eine Aufkantung angebracht werden, um ein Abrutschen von Gehhilfen zu verhindern.
Handläufe sind im Durchmesser (auch in oval) von 3 bis 4,5 cm griffsicher in einer Höhe von ca. 85 bis 90 cm senkrecht von der Belagsoberfläche vor der Stufenvorderkante und der Oberfläche des Treppenpodestes (Zwischenpodest) anzubringen.
Handläufe dürfen an Zwischenpodesten und Treppenaugen nicht unterbrochen werden. Handlauf-Enden an Treppenläufen sind mindestens 30 cm waagerecht weiterzuführen, um rechtzeitig vor der Stufe eine Griffsicherheit zu garantieren.
Die Handlauf-Enden sind nach unten oder seitlich zur Wand abzurunden. Handlaufbefestigungen sind an der Unterseite vorzusehen. Der Abstand zur Wand oder anderen Bauteilen soll mindestens 5 cm betragen.
Handläufe sollten am Anfang und am Ende des Treppenlaufes mit taktilen Informationen beschriftet werden, wie z.B. Wege- oder im Gebäude mit Stockwerkbezeichnung. Die Ertastbarkeit ist in Form von lateinischen Großbuchstaben und arabische Ziffern (Profilschrift), Blindenschrift (nach DIN 32975) und wenn notwendig, mit Piktogrammen (Sonderzeichen) zu garantieren.

Rampen

  • Länge der Rampe maximal 6,00 m, danach ist ein Zwischenpodest von mindestens 1,50 m Länge mit max. 3 % Gefälle vorzusehen.
  • Bewegungsfläche vor und nach der Rampe soll mindestens 1,50 x 1,50 m betragen.
  • Die Nutzbreite der Rampe (lichte Bewegungsbreite) muss mindestens 1,20 m breit sein.
  • Rampen im Freiraum ohne seitliche Wand sind beidseitig mit einem 10 cm hohen Radabweiser auszustatten.
  • Rampen dürfen nicht in Verlängerung einer abwärtsführenden Treppe angeordnet werden.
Handläufe sind analog, wie bei den Treppen auszuführen. Sie müssen beidseitig 85 bis 90 cm über der Fußbodenoberfläche der Rampenläufe und Rampenpodeste angebracht sein.

Warnen – Orientieren – Informieren - Leiten

Die Orientierung des Menschen im Raum wird über verschiedene Sinnesorgane wahrgenommen, die über Assoziations- und Interpretationsvorgänge verwertet werden. Die Vermittlung dieser Vorgänge müssen mindestens über zwei Sinne erfolgen (Zwei-Sinne-Prinzip), d.h. zwei von drei Sinnen müssen immer zugänglich sein. Informationen sollen durch Sehen (visuell), Hören (auditiv) und Fühlen, Tasten (taktil) wahrnehmbar vermittelt werden. Dazu sind geeignete bauliche Voraussetzungen zu schaffen, die ein lückenloses Informations- und Leitsystem bilden.

Visuelle Informationen beinhalten die

  • Größe des Sehobjektes, die Form (z.B. einer Schrift),
  • räumliche Anordnung des Sehobjektes (Position),
  • Betrachtungsabstand,
  • erforderliche Kontrastität (zum Orientieren, Leiten und für Bodenmarkierungen K > 0,4;
    Warnungen und Schriftinformationen K > 0,7 - siehe DIN 32975),
  • wahrnehmbare Lesedistanz auch für Rollstuhlnutzer und sehgeschädigte Personen,
  • ausreichende blendfreie Belichtung und Beleuchtung, keine Schattenbildung.
Auditive Informationen sind notwendig für die Hör- und Verstehbarkeit von Personen mit eingeschränktem Hörvermögen. Für akustische Sprachinformationen und Signale sind technische Voraussetzungen zu schaffen, die dem Empfänger eine deutliche Sprachinformation (Nutzinformation S= Signal) in der Lautstärke wiedergibt, die sich um mindestens 10 dB von einem Störgeräuschpegel (N= Noise) abhebt. Informationen von akustischen Tönen oder Tonfolgen bei Alarm- und Warnsignalen müssen sich eindeutig voneinander unterscheiden.

Taktile Informationen müssen für die jeweilige Art der Wahrnehmung geeignet sein. Taktile Informationen können von blinden Menschen mit den Fingern, Händen, dem Langstock und mit den Füßen (podotaktil) wahrgenommen werden. Die Orientierungshilfen müssen sich durch Form, Material, Härte und Oberflächenrauhigkeit vom Umfeld deutlich unterscheiden. Die Raumerfassung sollte eine geradlinige und rechtwinklige Wegeführungen aufweisen.

Bedienelemente, Kommunikationsanlagen sowie Ausstattungselemente

Dazu gehören:

  • Service-Schalter, Kassen und Kontrollen
  • Alarmierung und Evakuierung

Bodenbeläge

Die Oberflächenbeschaffenheit von Fußgängerverkehrsflächen müssen eben, rutschhemmend, erschütterungsarm sein und einen festen Einbau besitzen, die für Personen mit Rollstuhl, Rollator oder mit Gehhilfen geeignet sind. Hierzu ist auf die DIN 15130 bzw. das Merkblatt BGR 181 (Rutschwiderstand) Bezug zu nehmen. Für Personen mit Sehbehinderungen sollten sich die Bodenbeläge visuell kontrastierend von Bauteilen, wie z.B. Wände, Türen, Stützen usw. abheben. Spiegelungen und glänzende Oberflächen sind zu vermeiden, weil durch die Lichteinwirkung auf das Sehobjekt Kontrastminderungen oder Blendungswirkungen entstehen können. Bodenindikatoren sind einzusetzen, wenn für blinde Menschen taktile Informationen notwendig werden. Das trifft zu bei Treppen und Rampen, die in den Zugangswegen angelegt sind. Dazu sind entsprechende Bodenprofile zu verwenden.
(siehe auch DIN 32984: 2011-10 Bodenindikatoren im öffentlichen Raum).

Pkw-Stellplätze

Pkw-Stellplätze für behinderte Menschen sind besonders zu kennzeichnen und in der Nähe des Zugangsbereiches anzuordnen.
Maße für Pkw: Länge 5,00 m; Breite 3,50 m
Maße für Kleinbus: Länge 7,50 m; Breite 3,50 m

 

GRAFISCHE ANWENDUNGSBEISPIELE

Erschließung eines Grundstückes mit barrierefreien Außenanlagen an einem öffentlich zugänglichen Gebäude

Übersicht äußere Erschließung eines Grundstückes mit barrierefreien Außenanlagen an einem öffentlich zugänglichen Gebäude (Beispiel Stadt-Bibliothek)

  Geltungsbereich für barrierefreie Erschließung am ffentlichen Gebäude

Geltungsbereich für barrierefreie Erschließung am öffentlichen Gebäude
(* Es müssen nicht alle Verkehrsflächen barrierefrei gestaltet werden, vorwiegend aber diese Bereiche, die zu den öffentlichen Gebäuden und Anlagen gehören)

  Breite Nutzung

Technische Einzelheiten im barrierefreien Zugangsbereich am öffentlichen Gebäude mit unterschiedlichen Ebenen

  Platzbedarf und Bewegungsflächen ohne und mit Richtungsänderung

Platzbedarf und Bewegungsflächen ohne und mit Richtungsänderung (nach Bild 1 und 2 DIN 18040-1)

  Gestaltung Treppenlauf mit seinen unterschiedlichen Anforderungen

Gestaltung Treppenlauf mit seinen unterschiedlichen Anforderungen an Kontrastität und Laufrichtung

  Längsschnitt und Grundriss durch eine Rampe

Längsschnitt und Grundriss durch eine Rampe mit deren erforderlichen Abmessungen

  Tastbarkeit von Ausstattungselementen mit dem Langstock

Beispiele für die Tastbarkeit von Ausstattungselementen mit dem Langstock

 

Der Bodenbelag dieser Platzfläche besteht aus geschliffenen Natursteinplatten; sie ergeben bei Nässe eine spiegelnde, glänzende Oberfläche und ist nach der DIN 18040-1 für den öffentlichen Raum ungeeignet (Foto W. Mühr 2011)


 PKW-Stellplätze für Rollstuhlbenutzer
Beispiele von PKW-Stellplätze für Rollstuhlbenutzer

Anmerkung:
Diese Norm können Sie beim Beuth-Verlag unter www.beuth.de bestellen.
Zusätzliche Informationen über Straßenraumgestaltung mit Detailzeichnungen finden Sie im Handbuch mehr »

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